Wildtiere – Eichelhäher

Der Eichelhäher (Garrulus glandarius) ist ein Singvogel aus der Familie der Rabenvögel (Corvidae).

Er ist über Europa, Teile Nordafrikas und des Nahen Ostens sowie in einem breiten Gürtel durch Asien und dort südwärts bis nach Indochina verbreitet. Er brütet in lichten, strukturreichen Wäldern aller Art, in Mitteleuropa aber bevorzugt in Misch- und Laubwäldern. Sein Nahrungsspektrum ist sehr vielfältig, wobei im Sommerhalbjahr tierische, im Winterhalbjahr pflanzliche Nahrung überwiegt. Vor dem Winter werden umfangreiche Vorräte aus Eicheln und anderen Nussfrüchten angelegt.

Süd- und westeuropäische Eichelhäher sind meist Standvögel, mittel-, ost- und nordeuropäische Teilzieher, wobei nur einige nördliche Populationen ihre Brutgebiete im Winter komplett räumen. In manchen Jahren kommt es zu umfangreichen Evasionen nord- und osteuropäischer Populationen.

Beschreibung

Aussehen

 
Die Federn im Bereich von Fittich, Handdecken und großen Armdecken haben eine blau-schwarz gebänderte Außenfahne.

 
Beim fliegenden Vogel fällt der weiße Bürzel besonders auf.

 
Eichelhäher beim Baden

Der Eichelhäher gehört mit 32 bis 35 cm Körperlänge zu den mittelgroßen Rabenvögeln, seine Flügelspannweite beträgt etwa 53 Zentimeter und sein Gewicht etwa 170 Gramm. Der kräftige Schnabel ist grauschwarz bis schwarz. Die Füße sind graubraun bis braun fleischfarben mit gelblichen oder weißlichen Sohlen. Die Iris ist bläulichgrau mit rötlichem Innen- und Außenring und einer ebensolchen, feinen Sprenkelung.

Die Geschlechter unterscheiden sich nicht in der Gefiederfärbung. Der Kopf ist je nach Unterart mehr oder weniger auffällig gezeichnet. Die Nominatform G. g. glandarius, die in Mittel-, Ost- und Nordeuropa vorkommt, zeigt an Stirn und Scheitel weiße Partien, deren schmale, verlängerte Federn schwarz gestreift sind und die bei Erregung zu einer Haube aufgestellt werden können. Auch die Region um das Auge ist, oft bis auf die vorderen Ohrdecken, weiß mit schwarzer Strichelung. Auffällig ist zudem ein deutlich abgesetzter, schwarzer Bartstreif, der etwa die Ausmaße des Schnabels hat. Kinn und Kehle sind weiß. Hintere Ohrdecken, Halsseiten und Nacken sind rötlich beige bis matt fuchsfarben. Diese Färbung setzt sich auf Rücken, Schultern und Unterseite fort, wobei sie auf dem Rücken eher ins graubräunliche schlägt und auf der Unterseite etwas heller ist. Bauchmitte und Unterschwanzdecken sind wie der hintere Rücken und der Bürzel weiß. Letzteres Merkmal fällt vor allem im Flug oft deutlich auf und kontrastiert zur schwarzbraunen Färbung der Steuerfedern. Deren Basis ist grau mit einer graublauen Querbänderung, die aber von den Oberschwanzdecken verdeckt wird. Der Schwanz schließt mit einer relativ geraden Kante ab.

Auffällig und charakteristisch sind die rundlichen, breiten Flügel gefärbt. Die beigerosa Färbung der Oberseite setzt sich auf Randdecken und mittleren Armdecken fort. Handdecken, Fittich und große Armdecken sind auf der Innenfahne schwarz und tragen an der Außenfahne auf himmelblauem Grund eine schwarze Querbänderung. Diese farbenprächtige Gefiederpartie, die beim sitzenden Vogel ein aus der Ferne leuchtend blaues Feld unterhalb der Schulter bildet, ist ein besonders charakteristisches Artmerkmal. Die Handschwingen sind dunkelbraun mit einem hellen Saum, der zu den inneren Handschwingen hin zunehmend eine blau-schwarze Querbänderung trägt. Die Armschwingen sind schwarzbraun mit einer zur Federbasis hin weißen Außenfahne. Diese bilden beim zusammengelegten Flügel ein weißes Feld und sind auch im Flug deutlich zu erkennen. Teils findet sich in den weißen Bereichen eine, meist nicht sichtbare blau-schwarze Bänderung. Zu den braunschwarzen Schirmfedern hin zeigen mehrere Armschwingen eine kastanienbraune Färbung mit breitem, schwarzen Endsaum.

Das Jugendkleid ähnelt dem Kleid adulter Vögel, ist aber insgesamt etwas dunkler, die Unterseite rötlicher. Die schwarze Streifung der Haube ist weniger kräftig und die schwarz-blaue Bänderung auf den Flügeln weniger feinteilig. Der Schnabel ist braungrau, die Füße blass bräunlich fleischfarben bis graubraun. Die Farbe der Iris ist hell braungrau bis graublau.

Stimme

Der Alarmruf ist ein lautes, raues und charakteristisches Rätschen. Der üblichere Ruf ist dchää-dchää  und bisweilen ist ein bussardartiges, reines piüü  zu vernehmen. Der Gesang ist leise schwätzend. Der Eichelhäher ist in der Lage, Stimmen anderer Vögel oder Geräusche nachzuahmen.

Verhalten

Der tagaktive Eichelhäher verhält sich während der Brutzeit zumeist sehr unauffällig, fällt aber durch sein ausgeprägtes, lautes Warnverhalten auf. Außerhalb der Brutzeit sieht man ihn oft in kleinen, zerstreuten Trupps, ziehend oder auf der Nahrungssuche. Sehr charakteristisch und auffällig ist der Flug der Art, der durch die unregelmäßigen Flügelschläge leicht unbeholfen wirkt und bei dem die auffällige Färbung besonders deutlich zur Geltung kommt. Meist werden nur kurze Strecken überflogen und geschickt die Deckung von Waldrändern und Gebüschen ausgenutzt, wobei weitere Vögel eines Trupps meist mit deutlichem Abstand folgen. Im Wald fliegt der Vogel sehr geschickt und wendig auch in geschlossenen Beständen. Auf dem Boden und im Geäst bewegt er sich meist hüpfend, wobei oft der Schwanz kurz aufgespreizt wird.

Verbreitung

 
Brutverbreitung des Eichelhähers

Der Eichelhäher ist in weiten Teilen der Paläarktis und der Orientalis beheimatet. Er besiedelt ganz Europa, wo es nur im Norden der Britischen Inseln und Skandinaviens sowie auf der Iberischen Halbinsel Verbreitungslücken gibt. Im Mittelmeerraum besiedelt er zudem die Atlasregion in Nordafrika, den östlichen Rand des Mittelmeers bis in den Norden Israels und Kleinasien. Hier gibt es in der Mitte eine größere Vorkommenslücke. Ostwärts reicht die Verbreitung bis an die Krim, die Kaukasusregion und in die Gebirgsregionen von Iran und Irak. Nördlich des Schwarzen Meeres zieht sich die Verbreitung durch die Laubwaldzone und die südliche Taiga bis Sachalin, Korea und Japan und reicht in einem ostasiatischen Arm, der große Teile Chinas umfasst, südwärts bis nach Indochina und westwärts bis in den Himalaya.

Wanderungen

 
Eichelhäher im Winter

Der Eichelhäher ist ein Teilzieher, dessen Wanderungsverhalten recht komplex ist und der zu Evasionen neigt, die teils nur lokale oder regionale, in einigen Jahren aber auch sehr spektakuläre, großräumige Ausmaße haben können.

Bei den süd- und westeuropäischen Populationen handelt es sich vorwiegend um Stand- oder Strichvögel. Die Vögel Mittel-, Ost- und Nordeuropas sind Teilzieher, wobei vor allem die Vögel aus der Region der borealen Nadelwälder im Winter ihre Brutgebiete weitgehend verlassen. Dabei zeigt die Art mit einer zeitlich weitgehend festgelegten Zugphänologie und der meist einheitlichen Zugrichtung nach Südwesten Merkmale eines echten Zugvogels. In vielen Teilen Europas ziehen – vermutlich bedingt durch diese Veranlagung und belegt durch Ringfunde – regelmäßig Einzelvögel in südwestlicher Richtung weg, was aber aufgrund der Überlagerung durch andere Zugbewegungen kaum registriert wird. Die zurückgelegte Entfernung liegt dabei meistens unter 100 km. Ansonsten gibt es im Herbst oft und teils durch Witterungsbedingungen ausgelöst einen lokalen Dispersionszug, bei dem aber meist keine einheitliche Zugrichtung festgestellt werden kann.

Bei größeren Evasionen ist die vorherrschende Zugrichtung meist Südwest-West. Der Grund für diese Wanderungsbewegungen liegt offenbar nicht in Nahrungsmangel, denn sie erfolgen auch in Jahren mit reichem Nahrungsangebot. Vielmehr folgen größere Evasionen zum einen auf Jahre mit besonders gutem Bruterfolg und korrelieren zum anderen mit dem Mastzyklus verschiedener Nussfrüchte tragender Bäume wie Stiel- und Traubeneiche sowie zum Teil auch der Rotbuche. In manchen Jahren kann ein verminderter Fruchtansatz bei allen diesen Arten zusammentreffen, was für den Eichelhäher die Anlage von Wintervorräten erschwert. Offenbar sind in diesen Jahren die Evasionen besonders ausgeprägt. Die Frequenz der Jahre, in denen großräumige Evasionen registriert wurden, ist keine regelmäßige. Im nördlichen Mitteleuropa fielen sie in die Jahre 1882, 1898, 1916, 1932, 1933, 1936, 1947, 1955, 1964, 1972, 1977 und 1983. 1964 wurden dabei beispielsweise bei Danzig innerhalb von einem knappen Monat 35.000 ziehende Vögel gezählt, der größte Schwarm bestand dabei aus 1682 Exemplaren.

Bei seinen Zugbewegungen meidet der Eichelhäher größere freie Areale und vor allem Wasserflächen. Diese umfliegt er meist und folgt Küsten- und Uferlinien oder Rändern von großen Waldgebieten, was bisweilen zu deutlichen Ablenkungen von der Zugrichtung führen kann.

Der Herbstzug setzt – sowohl beim üblichen Wegzug oder Dispersal, als auch bei Evasionen – in Mitteleuropa meist in der zweiten Septemberdekade, ausnahmsweise schon Anfang September oder Ende August ein, erreicht seinen Höhepunkt in der zweiten Septemberhälfte und ist meist Mitte Oktober abgeschlossen. Der Heimzug erfolgt meist im März und ist oft sehr viel schwächer ausgeprägt als der Wegzug. Der Heimzug von Evasionsvögeln erfolgt oft später im April und im Mai, manchmal wurden auch im Juni noch ziehende Vögel festgestellt.

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